NUSK 101
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- Buchbinder mit deutschen Werkzeugen XIX
Nuska benannte die Werkstatt „Braunauer“ und „PB“. Zur ersteren Benennung bezogen sich in Nuskas Archiv allerdings nur Werkzeuge (die Exemplare wurden neu erst in der Datenbank ergänzt). Die zweite Benennung ist vom deutschen Monogramm PB an der Christus-Büste NUSK P 000 244 sowie an der Szene der Verkündigung des Herrn NUSK P 000 312 abgeleitet. Im Fundus befand sich allerdings noch die Rolle mit attributlosen Köpfen NUSK V 000 091, die das Zeichen HE oder HF trug, das sich auf mehrere deutsche Monogrammisten bezog. Damit nicht der Eindruck entsteht, dass es sich um Werkzeuge einheimischen Ursprungs handele, benennen wir den Inhaber Buchbinder mit deutschen Werkzeugen XIX. Sein Schaffen war ursprünglich mit 23 Exemplaren vertreten, von denen ein Drittel bis heute in der Klosterbibliothek in Braunau (Broumov) aufbewahrt wird. Die Exemplare verraten ein konservatives Herantreten, das mit Hilfe von Rollen und Platten die freie Fläche liquidiert. Vier jüngere Exemplare (97.II, 53250, AR XVIII 12 und HA VIII 36) entziehen sich den Verzierungskonzepten jedoch gänzlich. Sie wurden für František Bohumír Troilo angefertigt, und darum verschieben wir sie zum Meister aus dem Umfeld des Rudolfinischen Hofes II, der für die Aufträge dieses Aristokraten mit den Supralibros während der Jahre 1608-1623 das Monopol besaß. Weitere drei Exemplare wurden erst nach den Jahren 1610 und 1618 gebunden (VIII G ß 1, XX F ß 29 und CK 184). Aus der ehemaligen Werkstatt „PB“ schließen sie sich zeitlich aus und werden daher zum anknüpfenden Buchbinder mit deutschen Werkzeugen XX verschoben. Dem Buchbinder XIX dagegen ordnen wird drei Amtsbücher zu, die in der Braunauer Region ab 1572, 1574 und 1576 im Einsatz waren und für die Nuska mit Hinsicht auf die Rolle mit den christlichen Tugenden NUSK V 000 210 die selbstständige Werkstatt „Stattliche Prudentia“ konstruierte. Die in die Bucheinbände der übrigen Exemplare geprägten Jahreszahlen bilden den kompakten Abschnitt von 1571-1584, der jüngste Druck ist jedoch erst im Jahre 1585 erschienen. Daher kann angenommen werden, dass der Braunauer Buchbinder XIX ein kurzfristig tätiges isoliertes Zentrum schuf, das zwischen den Vorgänger des Buchbinders XVIII (ca 1539-1572) und den Nachfolger des Buchbinders XX (ca 1594-1636) eingekeilt war; aus Gründen der Konkurrenz war der Buchbinder XIX jedoch wahrscheinlich gezwungen, Braunau zu verlassen.